3 Stunden Arbeit pro Tag?

(English version available) Immer wieder geistert die Frage herum, ob 3 Stunden Arbeit pro Tag ausreichend seien, um den Lebensunterhalt als selbstständiger Übersetzer zu bestreiten.

(English version A 3-hour workday? by Seiriol Dafydd as a PDF file – thank you Seiriol)

Sagen wir mal so: Wenn Sie so gut wie keine Kosten haben, weil Sie zum Beispiel bei Ihren Eltern wohnen und dort keinen Obolus entrichten müssen, Sie also lediglich für Ihre Krankenversicherung aufkommen müssen und ein wenig Taschengeld haben wollen, nicht für Rücklagen fürs Alter sorgen, insgesamt sehr bescheiden in Ihren Ansprüchen sind … UND wenn Sie einen ganz guten Wortpreis bei gleichzeitig guter Auslastung haben, ja, dann könnte es genügen.

Die Frage ist: Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer Erwerbstätigkeit? Die Beantwortung dieser Frage ist einzig und allein Ihre Sache.

Für Ihre Überlegungen können wir Ihnen ein paar Rechenbeispiele zur Verfügung stellen. Hierfür gehen wir – der Einfachheit halber – von einer durchgängigen Auslastung aus.

Beispiel 1:

Sie übersetzen 300 Wörter in der Stunde, bekommen dafür 10 ct./Wort und arbeiten 8 (acht) Stunden am Tag. Ihr Umsatz beträgt am Ende des Tages 240 Euro. Wenn Sie das 5 Tage in der Woche und, sagen wir, 48 Wochen im Jahr (also an 240 Tagen im Jahr) machen, beträgt Ihr Jahresumsatz 57.600 Euro. Ein toller Betrag, denken Sie? Moment! Davon müssen Sie alle Ihre Kosten, einschl. Miete, Heizkosten, Krankenversicherung, Lebensunterhalt usw. sowie die Einkommensteuer bezahlen. Und dann wollen Sie sicher auch noch in Urlaub fahren und sich nebenbei auch etwas gönnen? Sehr hoch dürfen Ihre Kosten dann im Monat nicht sein.

Gut. 300 Wörter in der Stunde – das ist wirklich nicht viel. 10 Cent auch nicht.

Beispiel 2:

Sie übersetzen 500 Wörter in der Stunde, bekommen dafür 12 ct./Wort und übersetzen 8 Stunden am Tag. Ihr Umsatz beträgt am Ende des Tages 480 Euro. Wenn Sie das an 240 Tagen im Jahr machen, beträgt Ihr Jahresumsatz schon 115.200 Euro. Das sieht schon etwas anders aus, nicht wahr?

Ach so. Sie sagen, Sie „können“ keine 8 Stunden am Tag übersetzen? (aus physischen Gründen oder aufgrund Ihrer familiären Situation z. B.). Dann sehen wir uns Beispiel 3 an.

Beispiel 3:

Sie übersetzen 500 Wörter in der Stunde, bekommen dafür 12 ct./Wort und übersetzen 6 (sechs) Stunden am Tag. Ihr Umsatz beträgt am Ende des Tages 360 Euro. Wenn Sie das an 240 Tagen im Jahr machen, beträgt Ihr Jahresumsatz in diesem Fall nur noch 86.400 Euro. Und vergessen Sie nicht: Umsatz, nicht Gewinn. Die Kosten und Rücklagen usw. gehen noch ab.

Aber inzwischen arbeiten Sie kräftig an Ihrer Marktpositionierung und akquirieren ein paar Direktkunden.

Beispiel 4:

Sie übersetzen 500 Wörter in der Stunde, bekommen dafür 15 ct./Wort und übersetzen 6 (sechs) Stunden am Tag. Ihr Umsatz beträgt am Ende des Tages 450 Euro. Wenn Sie das an 240 Tagen im Jahr machen, beträgt Ihr Jahresumsatz 108.000 Euro.

Und nun feilen Sie weiter an Ihrer Marktpositionierung und sind ein gefragter Profi.

Beispiel 5:

Sie übersetzen 500 Wörter in der Stunde, bekommen dafür 20 ct./Wort und übersetzen 6 (sechs)  Stunden am Tag. Ihr Umsatz beträgt am Ende des Tages 600 Euro. Wenn Sie das an 240 Tagen im Jahr machen, beträgt Ihr Jahresumsatz 144.000 Euro.

Jetzt haben Sie sich die Spracherkennungssoftware Dragon Naturally Speaking zugelegt, und nach einer relativ kurzen Einarbeitung ist Ihr Output kräftig gestiegen.

Beispiel 6:

Sie übersetzen jetzt 700 Wörter in der Stunde, bekommen dafür immer noch 20 ct./Wort und übersetzen 6 (sechs)  Stunden am Tag. Ihr Umsatz beträgt am Ende des Tages 840 Euro. Wenn Sie das an 240 Tagen im Jahr machen, beträgt Ihr Jahresumsatz 201.600 Euro. Übrigens: Es handelt sich immer noch um den Umsatz. Und: Die Software DNS kostet ca. 150,- Euro.

Sie feilen an Ihren Fachgebieten, spezialisieren sich noch mehr und bauen Ihre Fachkenntnisse so aus, dass Ihre Direktkunden Ihnen jetzt 25 ct./Wort zahlen.

Beispiel 7:

Sie übersetzen 700 Wörter in der Stunde (mit der Software DNS), bekommen dafür 25 ct./Wort und übersetzen 6 (sechs)  Stunden am Tag. Ihr Umsatz beträgt am Ende des Tages 1.050 Euro. Wenn Sie das an 240 Tagen im Jahr machen, beträgt Ihr Jahresumsatz 252.000 Euro.

Zugegeben, das sind Rechenbeispiele. Sie zeigen aber deutlich, dass Sie mit 3 Stunden Einsatz im unteren Wortpreis auf keinen grünen Zweig kommen werden, wenn Sie keine anderen Einkünfte haben. Denken Sie auch an „später“, wenn Sie einmal nicht mehr arbeiten können – Stichwort Rücklagen – und an eventuelle auftragslose Zeiten wegen Krankheit, Wirtschaftsflaute usw.

Die Rechenbeispiele zeigen auch, dass die Marktpositionierung  **und**  Ihr Output die Schlüsselfaktoren sind. Was ist mit Marktpositionierung gemeint? Konkret und unterm Strich: das, was Ihre Kunden bereit sind, Ihnen zu zahlen, weil sie dafür den entsprechenden Gegenwert bekommen bzw. weil Sie ein gefragter Profi in Ihrem Segment sind.

Sie werden vielleicht denken, dass nicht jeder Kunde bereit ist, einen Wortpreis  von 25 Cent zu zahlen. Richtig. Aber was in jedem Fall möglich ist und viele Kollegen tagtäglich schaffen, sind die 700 Wörter in der Stunde mithilfe der Spracherkennungssoftware Dragon Naturally Speaking. Damit können Sie einen höheren Umsatz pro Arbeitstag erzielen oder mehr Zeit für Ihre Familie und für sich nutzen. Ob Sie in der Stunde 400 Wörter à 10 ct. (40 Euro in der Stunde) oder 700 zum selben Preis (70 Euro) übersetzen – fast das Doppelte – das hängt von Ihnen ab. It’s up to you!

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