5 Fragen an Siegfried Armbruster

In einer neuen Reihe stellen wir Profis, die aufgrund ihrer Erfahrung und Positionierung in der translation industry Interessantes, Aufschlussreiches und Hilfreiches vermitteln können, 5 Fragen. Den Anfang der Reihe macht heute Siegfried Armbruster.

Was ist deiner Meinung nach ein wichtiger Schlüssel zum Erfolg?

Das ist eine schwierige Frage. Für mich war es immer meine Bereitschaft zu lernen und etwas härter zu arbeiten als meine Mitstreiter. Mein Chef in Rotterdam sagte immer: „Von nichts kommt nichts“ und „Wer schreibt, der bleibt“. Ich habe das immer so interpretiert, dass man arbeiten muss, wenn man etwas erreichen möchte. Und unter „arbeiten“ verstehe ich auch die Bereitschaft zu lernen.

Was ist deiner Meinung nach das Allerwichtigste im Kundenkontakt?

Für mich gibt es im Kundenkontakt einen entscheidenden Aspekt:
Mein Geschäft basiert auf Vertrauen und nicht auf übersetzten Worten. Um dies zu erreichen, orientiere ich mich an folgenden Pfeilern:

  • Meine Aufgabe ist es, meine Kunden und ganz besonders meine Ansprechpartner bei meinem Kunden gut aussehen zu lassen.
  • Übersetzen ist Teamarbeit. Nur wenn sowohl der Kunde als auch ich bereit sind, dies zu akzeptieren, kann sich eine langfristige vertrauensvolle Zusammenarbeit entwickeln. Das heißt aber auch zu akzeptieren, dass auf beiden Seiten Fehler passieren können und dass jeder seine Stärken und Schwächen mit an den Tisch bringt.
  • Ich nehme nur Jobs an, die ich durchführen kann. Wenn ich einen Job nicht annehmen kann, empfehle ich meinen Kunden Kollegen/Kolleginnen, die es meiner Meinung nach können.

Welche 3 Tipps willst du den Newbies mit auf den Weg geben?

Auch hier fällt mir eine Antwort schwer. Newbies können ganz unterschiedliche Hintergründe haben, viele sind jung und kommen direkt von der Uni, wo sie Translationswissenschaften studiert haben. Sehr viele sind aber auch Quereinsteiger so wie ich, also Leute, die zuerst einmal eine andere Ausbildung gemacht haben und aus ganz unterschiedlichen Gründen beim Übersetzen gelandet sind. Wieder andere haben schon einmal in der Übersetzungsbranche gearbeitet und kommen jetzt nach einer langjährigen Unterbrechung zurück. Für diese unterschiedlichen Gruppen gemeinsame Tipps zu geben, ist nicht ganz einfach. Meine Tipps wären:

  • Hört nicht auf zu lernen, ihr seid nicht fertig.
  • Ihr seid Dienstleister, nicht Sprachwissenschaftler. Eure Kunden erwarten Service und keine Sprach-Taliban. Seid unkompliziert.
  • Schuster, bleib bei deinem Leisten. Nehmt nur Aufträge an, die ihr auch erfüllen könnt.
  • Habt keine Angst davor, euren Kunden eure Grenzen zu vermitteln, sagt ihnen, wenn ihr einen Auftrag nicht erfüllen könnt oder wollt, das ist ein Zeichen von Professionalität.

Worüber wunderst du dich am meisten im Austausch mit Newbies?

Für mich am Auffälligsten ist oft der Widerspruch zwischen tatsächlichem und angeblich vorhandenem Wissen und Können. Ich möchte hier niemandem zu nahe treten, schließlich bin ich ja kein studierter Übersetzer, aber meiner Meinung nach ist die Ausbildung an vielen, auch an angeblich renommierten deutschen „Unitäten“, unzureichend. Es gibt einige hervorragende Absolventen, aber bei diesen Perlen bin ich der Meinung, dass sie ihren Weg auch ohne das Studium der Translationswissenschaften gegangen wären. Mehr möchte ich dazu nicht sagen.

Was antwortest du jungen KollegInnen, die sagen „wenn ich den Auftrag zu 7 ct./Wort nicht annehme, kriege ich vielleicht nie Kunden“?

Egal, ob sich „jung“ in diesem Fall auf das Lebensalter oder die Erfahrung bezieht, wäre meine erste Reaktion darauf: „Ich würde für diesen Preis nicht arbeiten“. Wenn das Problem wirklich darin besteht, überhaupt in den Markt zu kommen oder erste Kunden und damit Erfahrung zu sammeln, kann es meiner Meinung nach vorübergehend durchaus sinnvoll sein, für diesen Preis zu arbeiten, allerdings würde ich versuchen, den Kollegen bzw. die Kollegin davon zu überzeugen, dass sich mittelfristig deutlich höhere Preise realisieren lassen und eventuell auch ein entsprechendes Coaching anbieten.

Siegfried_Armbruster1

Kurzvita Siegfried Armbruster

Nachdem ich einige Jahre als Mediziner in verschiedenen Ländern gearbeitet hatte, zwang mich ein Fahrradunfall vor fast 20 Jahren, meinen Beruf aufzugeben, und ich beschloss, mich als Übersetzer selbständig zu machen.

2009/2010 arbeitete ich als Projektmanager für einen amerikanischen LSP und gründete 2011 meine eigene Agentur, GxP Language Services, die sich auf Pharma-, Medizintechnik- und medizinische Übersetzungen konzentrierte. Kurz darauf entstand dann die Alexandria Library, die als Wissensplattform für Übersetzer einiges ins Rollen brachte. 2015 schlug das Schicksal erneut zu, und eine schwere Erkrankung führte dazu, dass ich die Agentur und meine Mitarbeit in der Alexandria Library aufgeben musste. Inzwischen hat sich mein Gesundheitszustand wieder stabilisiert, und ich bin wieder aktiv als Übersetzer und Trainer.

Durch meine Vorgeschichte kenne ich die Industrie aus verschiedenen Rollen, und ich bin immer noch überzeugt, dass jeder ausgebildete Übersetzer/Quereinsteiger die Chance hat, in unserer Branche erfolgreich zu sein – wenn er/sie bereit ist, sich weiterzubilden und Kunden wirklich Service zu liefern.

Vielen Dank, lieber Siegfried, für dieses Interview.

2 Gedanken zu „5 Fragen an Siegfried Armbruster“

  1. Leider habe ich via Proz.com erfahren, dass unser Kollege Siegfried Armbruster vor wenigen Tagen verstorben ist. Ich bedanke mich für seinen professionellen Einsatz für unsere Branche und spreche seiner Familie und seinen Freunden mein tiefstes Mitgefühl aus.
    Bernhard Sulzer

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