5 Fragen an den Profi – Heute Jacqueline Breuer

Die „5 Fragen an den Profi“ hat heute Jacqueline Breuer beantwortet, die 30 Jahre als selbstständige Übersetzerin tätig ist.

Jacqueline, was sind deiner Auffassung nach die wichtigsten Schlüssel für den Erfolg in unserem Metier?

Authentizität, Transparenz, Kundenorientierung und Fachwissen.

Du bietest immer wieder Praktikumsplätze an. Welches sind deine Beweggründe?

Am Anfang meiner beruflichen Laufbahn (1987) hatte mich eine Kollegin an die Hand genommen, mir Tipps und Tricks mit auf den Weg gegeben. 1988 erwarb ich durch sie meinen ersten PC (gebraucht von ihr) mit all der Dokumentationsverwaltungsstruktur, die von einem IT-ler für einen Übersetzer damals maßgeschneidert war. Auf dieser Desktop-Struktur basiert teilweise noch heute mein Managementsystem! So gesehen war sie über mehrere Jahre meine Mentorin, wofür ich sehr dankbar bin, und genau das ist für mich ein Best-Practice-Beispiel, wie man mit Nachwuchskollegen umgehen sollte. In den bald 30 Jahren meiner Selbständigkeit begegnete mir regelmäßig das „Gejammere“ der älteren Kollegen, dass Berufseinsteiger keine Ahnung vom Geschäft hätten, den Markt kaputt machten, weil mit Dumpingpreisen einsteigend u.v.m. Die Lösung liegt dennoch so nah: Wer Praktikanten, Mentees an die Hand nimmt, sorgt aktiv dafür, dass sich junge Kollegen qualifizieren, kennenlernen, was „erforderliche Soft Skills“ bedeutet, und eben nicht die Preise kaputt machen, wenn sie denn „flügge“ sind … Zudem ist jeder Praktikant auch für mich jedes Mal ein neuer Input. Fazit: Man muss früh den Hebel ansetzen, um etwas Positives zu bewegen, und auf dem Markt aufräumen!

Welche Empfehlungen willst du den jüngeren KollegInnen, die gerade in den Beruf einsteigen, mit auf den Weg geben?

Sucht euch einen Mentoren. Dieser muss nicht unbedingt in eurer geographischen Nähe sein. Zwischen meiner damaligen Mentorin  und mir lagen gut 500 km! Aus der Mentoren-Mentee-Beziehung wuchs Freundschaft, und so mancher Großauftrag wurde gemeinschaftlich abgewickelt, Urlaubsvertretung gemacht u.v.m. All das hat mir auf meinem Weg sehr geholfen. Versucht einen Freelancer zu finden, der ein Praktikum bei sich anbietet. Man kann so viele praktische Dinge für sich abgucken, hinterher auf sich ummünzen. Besucht Mentoringtage, wie sie z. B. der BDÜ LV Nord anbietet. Besucht die Mentoringseiten der BDÜ Landesverbände… Es gibt so viel Förderung im BDÜ, man muss sie nur ergreifen! Ich sage immer: Qualifikation ist eine Holschuld!

Wie wichtig ist deiner Meinung nach die Spezialisierung?

Spezialisierung ist das A und O für einen dauerhaften Erfolg und eine hohe Kundenbindung. Ich habe gerade deshalb Kunden, die mir seit 1989 treu bleiben, obwohl dort inzwischen der fünfte Geschäftsführer am Ruder ist! Nur wer den Gesamtkontext kennt und mitreden kann, kennt den tatsächlichen Bedarf der Kunden, spricht mit ihnen auf Augenhöhe und kann erfolgreich (ohne sich zu verbiegen, zu flunkern, mehr darstellen wollen, als man ist) seine Dienstleistung verkaufen.

Was empfiehlst du jüngeren KollegInnen im Umgang mit Übersetzungsagenturen?

Rückgrat wahren und dickfellig bleiben, den Preis tapfer verteidigen und den Mut haben, NEIN! zu sagen. Orientiert euch am Honorarspiegel des BDÜ. Nicht immer gleich duzen, sondern einen Respektsabstand halten – auch in der E-Mail. Agenturen, will man von ihnen korrekt behandelt werden, müssen genauso behandelt werden, als seien es die Endkunden selbst.

Vielen Dank, liebe Jacqueline, für das Gespräch und die Zeit, die du dir dafür genommen hast.

 

Kurzvita Jacqueline Marcella Breuer

Akademisch geprüfte Übersetzerin, Freiberufliche Übersetzerin seit 1986, Inhaberin von Technik und Sprachen Stech, Vorstandsmitglied für Öffentlichkeitsarbeit BDÜ Landesverband Nord e.V., geb. 1962, verheiratet, 2 Töchter, aufgewachsen in Frankreich und Deutschland; Studium und Abschluss am FASK in Germersheim, weiterführende Ausbildung in Florenz und Lissabon.

Schon während des Studiums Engagement im Interkulturellen Technical Writing und Qualitätssicherung/Spezialisierung. In den letzten 15 Jahren wurde sie, im Zuge kundenseitig erfolgter, betriebsinterner Umstrukturierungen, von ihren Übersetzungsgroßkunden aus der Chemie mit dem Projektmanagement beauftragt. Von ursprünglich 4 „eigenen“ Sprachen (it, pt, fr und de) heißt es nun, neben den alltäglichen Arbeiten auch ein Kollegennetzwerk mit bis zu 21 Sprachen zu verwalten und organisieren.

Jacqueline Breuer schreibt Beiträge für Berufsverbandsveröffentlichungen und hält Vorträge zu den Themen Qualitätssicherung, Marketing für Übersetzer und Projektmanagement  u.a. für den AITI (Verband der Ü. und D. Italien, LV Toskana), Universität Mainz – FASK Germersheim und verfasst redaktionelle Beiträge für Fachmagazine aus dem Fachverlag Springer (München).

Veröffentlichungen: Gießerei Fachwörterbuch Deutsch – Englisch – Französisch – Italienisch, erschienen bei Schiele & Schön, Berlin

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