Selbstständig: 12 Tipps für Einsteiger

Wer sich als Übersetzer selbstständig macht, sollte nicht erwarten, über Nacht mit Aufträgen überschüttet zu werden. Der Weg zum gefragten Dienstleister ist weit und mühsam. Hier 12 Tipps, die als Denkanstöße gedacht sind.

Vor wenigen Wochen fand Ihre Abschlussprüfung statt, gleich danach wurden Firmennamen und Logo ausgedacht, die Website eigenhändig gebastelt, ein Werbeflyer konzipiert und verteilt, Visitenkarten gedruckt … Doch: Wie geht es jetzt weiter? Wo bleiben die Aufträge? Was ist zu beachten?

Hier ein paar Basics: 12 Tipps für Einsteiger

  1. Wenn Sie vorhaben, sich einen Urlaub zu gönnen, fangen Sie ganz selbstverständlich mit einer noch so bescheidenen Planung an: Wohin will ich? Wo würde es mir gefallen? Was gibt es dort zu sehen? Wie komme ich dort hin? Wie viel Geld kann ich für den Urlaub verbraten? usw. Tun Sie das auch, wenn es um Ihre Selbstständigkeit geht! Auch wenn viele Kollegen über den berühmt-berüchtigten Business Plan schmunzeln oder ihn gar verteufeln – ganz überflüssig ist er nicht. Wenn Sie nicht über den Existenzgründungszuschuss der Agentur für Arbeit gefördert werden, der die Vorlage eines BP zwingend notwendig macht, muss Ihre persönliche Fassung nicht ganz so ausführlich sein, einige wichtige Fragen sollten dabei jedoch unbedingt in den Fokus gerückt werden.
  2. Ein Kapitel in Ihrem Business Plan sollte sich mit den Ressourcen befassen: Wie sieht es mit Ihren Finanzen aus? Machen Sie einen Kassensturz und legen Sie erst einmal eine eiserne Reserve zurück.
  3. Den verfügbaren (liquiden) Teil Ihrer Finanzmittel, also der Betrag, der übrig bleibt, wenn Sie Ihre Kosten (Miete, Versicherungen, Strom, Heizung, Lebensunterhalt, Rücklagen für Altersvorsorge usw. + eiserne Reserve) bezahlt haben, sollten Sie stets mit Bedacht „einsetzen“. Halten Sie Ihre Ausgaben in den ersten Monaten so gering wie möglich und lassen Sie sich nicht verführen durch Leasingangebote für ein Auto, Anschaffungen, die nicht unbedingt notwendig sind usw.
  4. Größere Anschaffungen gezielt in Frage stellen. Fragen Sie sich stets: Brauche ich das wirklich für meine tägliche Arbeit? Ein CAT-Tool und/oder die Spracherkennungssoftware Dragon NaturallySpeaking, ein ergonomisch gut eingerichteter Arbeitsplatz sind sinnvolle Anschaffungen, die teuren Kunstdrucke an der Wand sicher nicht erforderlich.
  5. Lassen Sie sich von der Zwickmühle „Umsatz erzielen“ vs. „Marktpositionierung“ nicht dazu verleiten, mit der großen Kehrmaschine vorzugehen. Ja, Sie müssen Umsätze erzielen, damit Geld in die Kasse kommt und Sie Ihre Ausgaben bestreiten können. Nehmen Sie sich dennoch etwas Zeit, eine Marktpositionierung zu definieren, sich eine entsprechende Strategie auszudenken und diese umzusetzen.
  6. Die Umsetzung Ihrer Strategie zur Verwirklichung Ihrer Marktpositionierung wird nicht über Nacht zum Erfolg führen. Haben Sie Geduld! Planen Sie kleine Schritte statt großer Sprünge. Ein gutes Motto dabei lautet: Stück für Stück, eines nach dem anderen.
  7. Betreiben Sie echte „gute“ Akquise, unabhängig davon, ob Sie lieber für Agenturen oder Direktkunden tätig sein wollen. Verzichten Sie darauf, gleich 100 Übersetzungsagenturen in einem Mailing anzuschreiben und sich wahllos unter Vorlage Ihres CV und sonstiger Unterlagen sowie gegen Unterzeichnung irgendwelcher Geheimhaltungs- und sonstiger Vereinbarungen in deren Datenbank eintragen zu lassen. Legen Sie eine Strategie fest, die Sie zielführend dahin bringt, wo Sie hinwollen: zahlungskräftige Kunden in Ihrem Fachgebiet.
  8. Besinnen Sie sich auf Ihre Stärken, Ihr Potenzial. Machen Sie ein Brainstorming: Was kann ich? Wo bin ich besonders gut? Welches sind meine Assets? Aus welchem Grund könnte der potenzielle Kunde ausgerechnet mich unter mehreren Anbietern auswählen? usw.
  9. Stellen Sie fest, wo Sie Ihr Fachwissen vertiefen müssen, und suchen Sie nach geeigneten Weiterbildungsmaßnahmen. Planen Sie Ihre Teilnahme mit Bedacht – denn damit sind in der Regel Kosten (auch Zeit kostet Geld, da Sie in der Zeit keinen Umsatz erzielen).
  10. Überlegen Sie, ob Sie einem Berufsverband, zum Beispiel dem Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V. (BDÜ), beitreten. Die Vorteile sind hier dargestellt.
  11. Überlegen Sie, wen Sie vertrauensvoll kontaktieren können, wenn Sie spezielle Fragen rund um den Beruf und die Selbstständigkeit haben. Manches kann in einschlägigen Foren in den social media erfragt werden, fallweise ist der direkte Kontakt mit einem alten Hasen, der eine Art Mentor für Sie sein kann, ergiebiger.
  12. Eine gewisse Selbstdisziplin ist nicht verkehrt – zumindest in der Anfangszeit der Selbstständigkeit. Wenn der Rubel rollt, kann man für sich entscheiden, die Dinge entspannter anzugehen.

Viel Erfolg!

Bessere Lesbarkeit: Sofern nichts anderes angegeben, deckt die männliche Form (z. B. Übersetzer, Freiberufler, Einsteiger) auch die weibliche Form ab.

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