Zusammenarbeit mit Kollegen

Gemeinsam sind wir stark, heißt es so oft. Auch in der translation industry und im Bereich Korrektorat, Lektorat usw. ist es durchaus sinnvoll, sich mit Kolleginnen und Kollegen zusammen zu schließen.

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Der Weg zum Profi: Strategie und Ziele

(English version available) – Wer als Übersetzer oder allgemein als Spracharbeiter Profi werden und in der Premium-Liga mitmischen will, muss sich PROFI-lieren und sich von der Masse abheben. Eines der Zauberwörter lautet: Strategie.

(English version „Paving the way to being a professional: strategy and goals“ by Allison Wright and revised  by Moira Monney – thank you, Allison and Moira)

Ein zentraler Punkt für Freiberufler – und das gilt natürlich in gleicher Weise für „Spracharbeiter“ – ist die Strategie. Unter Strategie versteht man im Allgemeinen „ein längerfristig ausgerichtetes Anstreben eines Ziels unter Berücksichtigung der verfügbaren Mittel und Ressourcen“, so die Definition bei Wikipedia.

Am Anfang stehen die Ziele. Das ist der rote Faden, der unser Handeln im Alltag leitet, das ist der „Plan“, der uns eine Orientierung gibt. Denn: „Ein Schiff, das seinen Hafen nicht kennt, für das ist kein Wind günstig“, schrieb schon vor 2000 Jahren der römische Philosoph Seneca.

Konkret helfen dem freiberuflichen Übersetzer u.a. folgende Fragen weiter:

  • Was will ich als freiberuflicher Übersetzer erreichen?
  • Will ich nur „ein bisschen übersetzen“ und das Ganze als „netten Job“ ansehen?
  • Will ich nur über die Runden kommen oder mir bald auch finanzielle Freiheiten leisten?
  • Will ich es im Alter, wenn ich mal nicht mehr arbeiten kann, es drauf ankommen lassen oder will ich Rücklagen bilden, evtl. eine Eigentumswohnung erwerben, damit ich später keine Miete mehr zahlen muss?
  • Will ich erfolgreich sein – im Sinne von: hohes Ansehen bei Kunden, geringe bis keine Akquisetätigkeit, interessante und gut bezahlte Aufträge…?
  • Will ich als Agentur auftreten und Übersetzungsaufträge weitervermitteln und abwickeln?
  • Will ich mich auf das Übersetzen beschränken oder evtl. (später) ein zweites Standbein aufbauen?
  • Welche Kunden will ich akquirieren bzw. behalten?
  • Will ich weiter nur für Agenturen arbeiten? Will ich Direktkunden akquirieren?
  • Welchen Jahresumsatz will ich erzielen?
  • usw.

Konkrete Tipps für die Formulierung von Zielen

Greifen Sie nicht nach den Sternen, sondern backen Sie zunächst lieber kleinere Brötchen und legen Sie erreichbare Etappenziele fest.

Merken Sie sich: Ihr Ziel muss „SMART“ sein. Was bedeutet das? Hinter dem weit bekannten Akronym verbirgt sich Folgendes:

S = spezifisch Das Ziel muss unmissverständlich und eindeutig eingegrenzt, präzise   formuliert und auch mit anderen möglichen Zielen vereinbar sein. Vermeiden Sie unverbindliche, nichts sagende Formulierungen (Beispiel: „ich   will interessante Texte bearbeiten…“).
M = messbar Das Ergebnis sowie die Zwischenergebnisse müssen quantitativ oder   qualitativ gemessen und beobachtet sowie verfolgt werden können. Beispiel: Bis Ende 2014 will ich einen Umsatz von xx Tausend Euro erreicht   haben.
A = attraktiv und aktionsorientiert Das Ziel muss positiv formuliert und motivierend sein, Ihnen   „interessant“ erscheinen und Lust auf die Umsetzung machen. Denn es ist   wesentlich attraktiver zu sagen „ich will bis Ende des Jahres mindestens   einen neuen Direktkunden haben“ statt „ich will mich nicht mehr über die   Arbeitspraktiken der Agenturen ärgern“. Und das Ziel muss Ihr Handeln klar   fordern und einfordern.
R = realistisch Das Ziel muss für Sie grundsätzlich realisierbar sein. Es nützt   Ihnen nichts zu wissen, dass andere so etwas schon einmal „geschafft“ haben.   Ihr Ziel ist dann realistisch, wenn Sie es durch ihr Verhalten aktiv   beeinflussen können. Dabei müssen evtl. auch andere Ziele und das Eintreten unvorhersehbarer   Ereignisse berücksichtigt werden.Aber: Ziele dürfen und müssen sogar anspruchsvoll sein!
T = terminiert Das Ziel muss durch einen Anfangs- und Endtermin (wann genau – Datum!   – beginne ich mit der Umsetzung, wann genau will ich mein Ziel erreicht   haben?) sowie durch Zwischentermine, die sog. Meilensteine (bis wann genau   will ich Zwischenziel A, Zwischenziel B usw. erreicht haben?), terminiert   sein. Nehmen Sie sich lieber etwas mehr Zeit, denn: „Der   Langsamste, der sein Ziel nicht aus den Augen verliert, geht immer noch   schneller als der, der ohne Ziel herumirrt“, so die kluge Aussage von   Gotthold Ephraim Lessing.

Setzen Sie sich 1 oder 2 mittelfristige Ziele, die Teil Ihrer Strategie werden, zum Beispiel:

  • Bis Ende 20xx habe ich einen neuen Direktkunden akquiriert, mit dem ich regelmäßig arbeite.
  • Bis Ende 20xx habe ich einen zweiten Direktkunden akquiriert, der mich regelmäßig beauftragt.
  • Bis Ende 20xx erziele ich einen Jahresumsatz von xx.000 Euro (vor Steuern).

Eine gute Marktpositionierung schützt Sie vor vermeintlichen wirtschaftlichen Trends und macht Sie stark. Wer von vornherein sagt: „Es ist unmöglich, Direktkunden zu akquirieren“, liegt nicht nur falsch, sondern verbaut sich durch diesen Fatalismus alle Chancen.

Ob Finanzkrise oder florierende Wirtschaft – Übersetzungen werden immer gebraucht. Wir Übersetzer und Texter sind sozusagen die Hebammen der Unternehmen, die ihre Produkte und Serviceleistungen in die Welt setzen.

Es muss Ihnen gelingen, genau DIE Kunden anzusprechen, die auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten Aufträge erteilen – und zwar an SIE.

Was klar ist: Niemand hat behauptet, dass es einfach ist. Man muss – nein: Sie müssen sich schon auf den Hosenboden setzen und etwas tun. Eine 40-Stunden-Woche reicht da oft nicht aus, wenn man seine Strategie durchboxen will. Aber es lohnt sich!

Übrigens, strategisch unwirksame Ziele sind Vorhaben wie:

  • Ich will künftig an zwei Übersetzertreffen jährlich teilnehmen.
  • Ich will mich mehr mit KollegInnen austauschen.
  • usw.

Strategisch wirksame Ziele sind unter anderem neben den 3 oben genannten (fest terminierten) Beispielen:

  • Ich will mich bis Ende September d.J. für ein Spezialisierungsthema (Fachgebiet) entschieden haben.
  • Ab Oktober d.J. arbeite ich jede Woche 5 Stunden am Ausbau meiner Fachkenntnisse im Fachgebiet xx.

Die Erreichung des ersten Etappenziels gelingt Ihnen nicht auf Anhieb? Macht nichts, versuchen Sie es noch einmal. Fragen Sie Ihre Eltern oder älteren Geschwister, wie Sie als Kleinkind das Laufen erlernt haben. Ist es Ihnen gleich beim ersten Versuch gelungen? Nein, Sie sind sicher wie alle anderen auf der Welt auch hingefallen. Und haben Sie dann aufgegeben? Nein! Also, aufstehen, Kopf hoch, Brust raus und weiter geht’s!

Selbstständig: immer selbst und ständig?

Wer sich beruflich selbstständig macht, sollte wissen, worauf er sich einlässt. Das gilt für alle Berufe und natürlich auch für Übersetzer, Dolmetscher und andere „Spracharbeiter“.

Zwei sehr gegensätzliche Bilder des selbstständigen Übersetzers kursieren durch die Welt der sozialen Medien. Das des rund um die Uhr schuftenden Spracharbeiters, der sich weder Freizeit noch Urlaub und nur wenig Schlaf gönnt, der quasi ständig vor dem PC sitzt und ergo sehr blass ist, sein Dasein nur als Kettenraucher und Kaffeejunkie bewältigt. Das zweite Bild zeichnet den fröhlichen  Translator, der am Küchentisch, auf der Terrasse, am Strand oder auf dem Campingplatz mit dem Laptop auf dem Schoß an einem beliebigen Ort der Welt längstens zwei bis drei Stunden am Tag arbeitet und sich ansonsten ein schönes Leben macht.

Beide Bilder sind völlig falsch. Wer sich von Anfang an gut am Markt positioniert und einen soliden Kundenstamm erarbeitet,muss nicht „ständig“ arbeiten. Wer aber auf den berühmten grünen Zweig kommen und nicht nur von der Hand in den Mund leben will, sollte schon auch so viel Umsatz generieren, dass er nicht nur seinen aktuellen Lebensunterhalt bestreiten, sondern auch Rücklagen für Unvorhergesehenes, Krankheitszeiten, in denen nicht gearbeitet werden kann, und auch für das Alter bilden kann.

Was richtig ist: Als Selbstständiger sind Sie für sich verantwortlich. Da steht kein Chef hinter Ihnen, der Ihnen sagt, was Sie heute wie bis wann tun müssen. Sie sind Ihr eigener Chef und Sie müssen sich eine Strategie für Ihr Arbeiten zurechtlegen. Fragen Sie sich, was Sie erreichen wollen? Nur über die Runden kommen oder aber Ihren Mann / Ihre Frau im Beruf stehen, ein gutes Auskommen haben und sich nach ein paar Jahren hohen Engagements auch gewisse Freiheiten leisten können. Die Entscheidung darüber liegt einzig und allein bei Ihnen.

Wer jung ist, denkt nicht an die Rentenzeit. Das sollten Sie aber tun. Denken Sie auch daran, wieviel Miete Sie später zahlen müssen und wovon Sie dann leben wollen.

Was auch richtig ist: Als freiberuflicher Übersetzer oder Texter können Sie an Ihrem Wohnort oder an jedem x-beliebigen Ort der Welt Ihre Aufträge erledigen. Im Internet-Zeitalter ist das von großem Vorteil.

Wenn die Selbstständigkeit Ihr großer Traum ist, spüren Sie das Feuer in Ihnen, und die vielfältigen Aktivitäten, die neben dem eigentlichen Abwickeln von Aufträgen nötig sind, fallen Ihnen (relativ) leicht von der Hand. Üben Sie nicht zu viel Druck auf sich selbst aus, seien Sie nicht der strenge unnachgiebige Chef, den Sie vielleicht vorher in einer Festanstellung hatten. Denken Sie aber auch daran: Während Sie in einer Festanstellung auch in den Tratschpäuschen Ihr Geld verdienten, trifft das auf einen Selbstständigen nicht zu. Aber: Pausen müssen sein, denn Ihre Gesundheit ist das höchste Gut. Was nützen Ihnen eine hohe Fachkompetenz, ein guter Kundenstamm, wenn Sie krank sind? Nichts. Wie immer im Leben gilt es, den goldenen Mittelweg zu finden.

Was auch richtig ist: Selbstständig sein ist nicht einfach, aber wer hat gesagt, dass es einfach sein soll? Und was bedeutet schon „einfach“? Aufträge fliegen einem nicht wie gebratene Täubchen ins Mäulchen, man muss sich die Dinge – Kundenstamm usw. – hart erarbeiten.

Wir empfehlen allen, die gerade ihren Abschluss in der Tasche haben, zunächst 2-3 Jahre in der freien Wirtschaft zu arbeiten. Nehmen Sie auch Jobs an, die nicht genau Ihrem Abschluss entsprechen, aber nutzen Sie die Zeit, um zu lernen, wie ein Unternehmen tickt. Das ist für Ihre spätere Selbstständigkeit Gold wert. Beispiel: Es genügt nicht, wenn Sie einen Text über Just in Time übersetzen, zu googeln und sich die Begriffe aus dem Internet zusammen zu fischen. Viel wertvoller und nachhaltiger sind die Erkenntnisse, die Sie in einem Unternehmen erwerben, in denen Just in Time angewendet wird. Wie sind die Abläufe und Prozesse in einem Unternehmen: vom Einkauf bis zur Zahlungsabwicklung – welchen Zwängen unterliegen Unternehmen, welche Prioritäten haben sie? Das lernen Sie in keinem Ausbildungslehrgang für Übersetzer, an keiner Hochschule – es sei denn, Sie haben BWL studiert. Und selbst da gilt: Theorie und Praxis klaffen oft auseinander.